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Kontrastive Fokusreduplikation

Bei der kontrastiven Fokusreduplikation handelt es sich um ein Reduplikationsphänomen, bei dem, einfach gesprochen, ein Wort verdoppelt wird. Eine der beiden Kopien, im Deutschen oder im Englischen die erste der beiden, wird fokussiert. Semantisch gesehen wird die Konstruktion meist benutzt, um eine prototypische Bedeutung zu erzeugen, wobei diese prototypische Bedeutung auch kontextabhänig sein kann. Ein Beispiel findet sich in (1).

  1. Ich will KAFFEE-Kaffee und nicht diese Instantbrühe!

Im Deutschen sind es vor allem Substantive, die redupliziert werden, Beispiele mit Adjektiven, Adverben und Verben lassen sich jedoch auch finden. Ein Beispiel für ein Adjektiv findet sich in (2).

  1. Ich fahre ein gelbes Auto, also ein GELBES-gelbes Auto, das siehst du sofort.

Auffällig ist, dass wir im Bereich der Adjektive meist keinen prototypischen Bedeutungsbeitrag beobachten können, sondern eher eine Intensivierung.

Die resultierende Struktur wird manchmal auch als „identical constituent compound“ bezeichnet (siehe z.B. Finkbeiner 2014). Wie der Name andeutet wird hier angenommen, dass es sich um einen Wortbildungsprozess, genauer um Komposition handelt. Eine alternative Analyse geht davon aus, dass die Struktur durch Kopfbewegung entsteht (Ghomeshi et al. 2004). Ein Blick ins Englische zeigt jedoch, dass auch größere Einheiten redupliziert werden können, was dieser Annahme widerspricht (ein Beispiel aus Ghomeshi et al. ist beispielsweise Do you LIKE-HIM-like-him?). In einem gerade erschienenen Paper (Bross & Fraser 2020) argumentieren wir allerdings auch gegen eine Analyse als Komposition.

Eine Komposita-Analyse sagt vorher, dass sich Strukturen wie in (1) wie Substantive verhalten sollten. Und teilweise stimmt das auch. Ein Koordinationstest etwa zeigt, dass es sich um eine DP handelt:

  1. Du machst [DP den Basmatireis] und ich [DP den REIS-Reis].

Auffällig ist allerdings, dass die kontrastive Fokusreduplikation keine weitere Modifikation, z.B. durch ein Adjektiv, zulässt:

  1. *Ich will schwarzen KAFFEE-Kaffee.

Erklären ließe sich dieser Befund durch die Annahme, dass sich die betonte Kopie von Kaffee in einer Position befindet, in der sich normalerweise Adjektive befinden. Man könnte also beispielweise annehmen, dass sich die komplette NP Kaffee in diese Position bewegt, wobei die ursprüngliche Kopie nicht gelöscht wird.

Literatur

Bross, Fabian, & Fraser, Katherine (2020). Contrastive focus reduplication and the modification puzzle. Glossa: A Journal of General Linguistics, 5(1), 47.

Ghomeshi, Jila, Ray Jackendoff, Nicole Rosen & Kevin Russell. 2004. Contrastive focus reduplication in English (the salad-salad paper). Natural Language & Linguistic Theory 22. 307–357.

Finkbeiner, Rita. 2014. Identical constituent compounds in German. Word Structure 7(2).