Category Archives: Spracherwerb

Orang-Utan produziert sprachähnliche Laute

Orang-Utan im Zoo von Cincinnati (Photo: Kabir Bakie unter CC-Lizenz)

Über die evolutionären Ursprünge von Sprache wird ja gerne spekuliert. Häufig fällt der Blick dabei auch auf die uns nahestehenden Menschenaffen und ihre Fähigkeiten. Immer wieder wurde versucht ihnen eine Gebärdensprache beizubringen, da die Anatomie ihres Vokaltrakts eigentlich nicht wirklich dazu geeignet ist, menschliche Sprachlaute zu produzieren.

Allerdings berichten Forscher in PLOS ONE nun, dass die Orang-Utan-Dame (Pongo pygmaeus) Tilda, die heute im Kölner Zoo lebt, zumindest einige menschenähnliche Laute von sich geben kann. Vermutlich legt sie dieses Verhalten an den Tag, um die Aufmerksamkeit ihrer Pflegerinnen und Pfleger zu erregen, um besser an Nahrung zu gelangen. Die produzierten Laute ähneln den Plosiven /p/, /t/, /k/. Außerdem produziert sie vokalähnliche Lautstrukturen, indem sie dem Mund abwechselnd öffnet und schließt. Über Tildas Herkunft ist nicht genaueres bekannt. Vermutlich wurde sie etwa um 1965 in Borneo geboren und dort zur Unterhaltung von Menschen aufgezogen.

So interessant das Ergebnis sein mag, dass ein Orang-Utan theoretisch dazu in der Lage ist, menschenähnliche Laute zu produzieren, wenn er lange genug mit Menschen zusammenlebt, muss man doch dazu sagen, dass es trotzdem eine Schande ist, diese wunderbaren Tiere in Gefangenschaft zu halten. Auch die Autoren der Studie zeigen mit ihrer Formulierung, dass sich Tilda zunächst in „Privatbesitz“ („she became privately owned“) befand leider nicht viel Sensibilität.

Hier und hier gibt es noch ein bisschen mehr Materiel und hier die Studie.

Das Web übersetzen mit Luis von Ahn


Luis von Ahn, Informatik-Professor an der Carnegie Mellon University ist sozusagen der Erfinder des CAPTCHAs. Jetzt will er mit seinem Projekt Duolingo dabei helfen, das Web zugänglicher zu machen. Dabei sollen einerseits Texte von Usern mittels gemeinsamen Wissens übersetzt werden, andererseits sollen die User dabei eine Fremdsprache lernen. Ich finde die Idee wirklich bewundernswert! Aus sprachwissenschaftlicher Sicht bezweifle ich allerdings, dass es möglich ist auf diese Weise einen hohen Kompetenzgrad in einer Sprache zu erlangen. Sprache ist zu tief mit unserer Umwelt und mit Handlungen verwoben, obendrein ist sie ein soziales Phänomen, sodass ein bloßes Übersetzen von Texten keine nachhaltigen Lerneffekte erzielen sollte. Ist fast schon ein bisschen so, wie im Chinesischen Zimmer sitzen, wenn man nur übersetzt. Aber nur fast, man kann ja schon auf die Bedeutung der Symbole zurückgreifen.
Man kennt das ja aus dem Lateinunterricht. Man hat zwar eine passive Kompetenz, d.h. man kann zwar mit etwas Mühe die Texte übersetzen, unterhalten kann man sich deswegen aktiv auf Latein noch lange nicht.
Ähnliche Projekte, mittels „social tagging“ wissenschaftliche Erkenntnisse zu erzielen – und das wird mit Duolingo bestimmt ebenfalls getan – geht man auch an der Ludwig-Maximilians-Universität München (meiner Heimatuniversität). Dort arbeiten Sprachwissenschaftler, Computerlinguisten, Informatiker und Kunsthistoriker gemeinsam an sogenannten GWAPs („games with a purpose“), also Spielen mit wissenschaftlichem Zweck. Ein Beispiel dafür ist ARTigo, ein kunsthistorisches Spiel, bei dem der User Bilder und Künstler kennenlernt und gleichzeitig mittels sogenanntem „social image tagging“ dabei hilft eine Kunstsuchmaschine zu entwickeln.