{"id":683,"date":"2020-05-17T10:04:14","date_gmt":"2020-05-17T10:04:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=683"},"modified":"2022-10-01T19:01:43","modified_gmt":"2022-10-01T19:01:43","slug":"kontrastive-fokusreduplikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=683","title":{"rendered":"Kontrastive Fokusreduplikation"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"http:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/KAFFEE-Kaffee-Kontrastive-Fokusreduplikation-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-689\" srcset=\"https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/KAFFEE-Kaffee-Kontrastive-Fokusreduplikation-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/KAFFEE-Kaffee-Kontrastive-Fokusreduplikation-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/KAFFEE-Kaffee-Kontrastive-Fokusreduplikation-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/KAFFEE-Kaffee-Kontrastive-Fokusreduplikation-1-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/KAFFEE-Kaffee-Kontrastive-Fokusreduplikation-1.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei der kontrastiven Fokusreduplikation\nhandelt es sich um ein Reduplikationsph\u00e4nomen, bei dem, einfach\ngesprochen, ein Wort verdoppelt wird. Eine der beiden Kopien, im\nDeutschen oder im Englischen die erste der beiden, wird fokussiert.\nSemantisch gesehen wird die Konstruktion meist benutzt, um eine\nprototypische Bedeutung zu erzeugen, wobei diese prototypische\nBedeutung auch kontextabh\u00e4nig sein kann. Ein Beispiel findet sich in\n(1).<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Ich will KAFFEE-Kaffee und nicht\n\tdiese Instantbr\u00fche!\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Im Deutschen sind es vor allem\nSubstantive, die redupliziert werden, Beispiele mit Adjektiven,\nAdverben und Verben lassen sich jedoch auch finden. Ein Beispiel f\u00fcr\nein Adjektiv findet sich in (2).<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Ich fahre ein gelbes Auto, also\n\tein GELBES-gelbes Auto, das siehst du sofort.\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass wir im Bereich der\nAdjektive meist keinen prototypischen Bedeutungsbeitrag beobachten\nk\u00f6nnen, sondern eher eine Intensivierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die resultierende Struktur wird manchmal auch als \u201eidentical constituent compound\u201c bezeichnet (siehe z.B. Finkbeiner 2014). Wie der Name andeutet wird hier angenommen, dass es sich um einen Wortbildungsprozess, genauer um Komposition handelt. Eine alternative Analyse geht davon aus, dass die Struktur durch Kopfbewegung entsteht (Ghomeshi et al. 2004). Ein Blick ins Englische zeigt jedoch, dass auch gr\u00f6\u00dfere Einheiten redupliziert werden k\u00f6nnen, was dieser Annahme widerspricht (ein Beispiel aus Ghomeshi et al. ist beispielsweise <em>Do you LIKE-HIM-like-him?<\/em>). In einem gerade erschienenen Paper (Bross &amp; Fraser 2020) argumentieren wir allerdings auch gegen eine Analyse als Komposition.  <\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nKomposita-Analyse sagt vorher, dass sich Strukturen wie in (1) wie\nSubstantive verhalten sollten. Und teilweise stimmt das auch. Ein\nKoordinationstest etwa zeigt, dass es sich um eine DP handelt:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Du\n\tmachst [<sub>DP <\/sub>den\n\tBasmatireis] und ich [<sub>DP<\/sub>\n\tden REIS-Reis].\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist allerdings, dass die kontrastive Fokusreduplikation keine weitere Modifikation, z.B. durch ein Adjektiv, zul\u00e4sst:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>*Ich\n\twill schwarzen KAFFEE-Kaffee.\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Erkl\u00e4ren\nlie\u00dfe sich dieser Befund durch die Annahme, dass sich die betonte\nKopie von <em>Kaffee<\/em> in\neiner Position befindet, in der sich normalerweise Adjektive\nbefinden. Man k\u00f6nnte also beispielweise annehmen, dass sich die\nkomplette NP <em>Kaffee<\/em> in\ndiese Position bewegt, wobei die urspr\u00fcngliche Kopie nicht gel\u00f6scht\nwird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bross, Fabian, &amp; Fraser, Katherine (2020). <a href=\"https:\/\/www.glossa-journal.org\/articles\/10.5334\/gjgl.1075\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Contrastive focus reduplication and the modification puzzle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Contrastive focus reduplication and the modification puzzle<\/a>. <em>Glossa: A Journal of General Linguistics<\/em>, <em>5<\/em>(1), 47.  <\/p>\n\n\n\n<p>Ghomeshi, Jila, Ray Jackendoff, Nicole\nRosen &amp; Kevin Russell. 2004. Contrastive focus reduplication in\nEnglish (the salad-salad paper). <em>Natural Language &amp;\nLinguistic Theory<\/em> 22. 307\u2013357. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Finkbeiner, Rita. 2014. Identical\nconstituent compounds in German. <em>Word Structure<\/em> 7(2). \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der kontrastiven Fokusreduplikation handelt es sich um ein Reduplikationsph\u00e4nomen, bei dem, einfach gesprochen, ein Wort verdoppelt wird. 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