{"id":512,"date":"2014-10-27T18:27:28","date_gmt":"2014-10-27T18:27:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=512"},"modified":"2014-10-27T18:27:28","modified_gmt":"2014-10-27T18:27:28","slug":"phonem-des-jahres-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=512","title":{"rendered":"Phonem des Jahres 2014"},"content":{"rendered":"<p>Jede Sprache baut auf einem Prinzip auf, das man als \u201ezweifache Gliederung\u201c oder \u201edoppelte Artikulation\u201c bezeichnet. Damit ist gemeint, dass wir beim Sprechen aus Einzellauten, die f\u00fcr sich genommen keine Bedeutung haben, gr\u00f6\u00dfere Einheiten aufbauen, die eine Bedeutung haben. So haben weder ein <em>m<\/em> noch ein <em>a<\/em> in Isolation gesprochen eine Bedeutung. Kombinieren wir diese Laute jedoch zu [mama], ergibt sich ein Wort, das wir verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Sprachwissenschaft und in der Phonetik fasst man solche Laute zu Gruppen zusammen, um von Einzel\u00e4u\u00dferungen abstrahieren zu k\u00f6nnen. Man spricht von Phonemen. So gibt es prinzipiell unendlich viele verschiedene M\u00f6glichkeiten, ein <em>a<\/em> zu artikulieren, deshalb fasst man alle diese <em>a<\/em>s zur Gruppe \/a\/ zusammen. Wie viele solcher Phoneme es in einer Sprache gibt, ist sehr unterschiedlich. Manche Sprachen, wie das Rotokas, das auf Neuginea gesprochen wird, haben nur 11 solcher Phoneme. Das Deutsche etwa 40. Bis zu 141 verschiedener Phoneme kann es in einer Sprache geben, wie etwa im !X\u0169, einer Sprache, die unter anderem in Namibia gesprochen wird. Immer muss es jedoch Vokale und Konsonanten geben, weswegen es bei der Wahl zum Phonem des Jahres jeweils diese beiden Kategorien gibt.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=322\" target=\"_blank\">Phoneme des letzten Jahres<\/a> waren in der Kategorie Vokal das \/y\u02d0\/, wie es im Deutschen oder im australischen Englisch vorkommt, und in der Kategorie Konsonant der geminierte glottale Verschlusslaut \/\u0294\u02d0\/, der z.B. im Maltesischen Verwendung findet. Anh\u00f6ren kann man sich die Phoneme der Sprachen der Welt <a href=\"http:\/\/web.uvic.ca\/ling\/resources\/ipa\/charts\/IPAlab\/IPAlab.htm\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Der Vokal und der Konsonant des Jahres werden jedes Jahr durch Studierende, Mitarbeiter und Assoziierte des Instituts f\u00fcr Phonetik und Sprachverarbeitung der Universit\u00e4t M\u00fcnchen gew\u00e4hlt. Nominierungsberechtigt sind Studierende und Mitarbeiter sprachwissenschaftlicher und verwandter F\u00e4cher weltweit. Vorgeschlagen werden darf jeweils ein Konsonant und ein Vokal. Dazu muss jeweils mindestens eine Sprache genannt werden, in welcher der nominierte Vokal oder Konsonant Phonemstatus hat sowie eine Begr\u00fcndung geliefert werden, warum man das Phonem vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Vokal des Jahres 2014<\/strong> ist das \/\u0275\/, das einem griechischen Theta sehr \u00e4hnlich sieht und z.B. im Kantonesischen vorkommt. Die Jury entschied sich vor allem deswegen f\u00fcr diesen Vokal, da in der Begr\u00fcndung angegeben wurde, dass man so seine Solidarit\u00e4t mit den Studierendenprotesten in Hongkong zum Ausdruck bringen k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Konsonant des Jahres 2014<\/strong> ist das \/N\/, also der uvulare stimmhafte Nasal, der z.B. Teil des japanischen Sprachsystems ist. Die Jury \u00fcberzeugte hier die humoristische Begr\u00fcndung, dass jeder diesen Laut kennt, da er international h\u00e4ufig zum Ausdruck des Genusses oder bei Grunzger\u00e4uschen vorkommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede Sprache baut auf einem Prinzip auf, das man als \u201ezweifache Gliederung\u201c oder \u201edoppelte Artikulation\u201c bezeichnet. 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