{"id":423,"date":"2014-08-06T09:12:49","date_gmt":"2014-08-06T09:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=423"},"modified":"2014-09-08T18:24:33","modified_gmt":"2014-09-08T18:24:33","slug":"was-macht-man-eigentlich-mit-phonetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=423","title":{"rendered":"Was macht man eigentlich mit Phonetik?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_5745.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-424\" src=\"http:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_5745.jpg\" alt=\"IMG_5745\" width=\"4752\" height=\"3168\" srcset=\"https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_5745.jpg 4752w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_5745-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_5745-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_5745-800x533.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 4752px) 100vw, 4752px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Laufe der letzten Jahre, vor allem nat\u00fcrlich w\u00e4hrend meines Studiums der Phonetik in M\u00fcnchen, ist sie mir immer wieder gestellt worden, die Frage, was man eigentlich als Phonetiker mal arbeitet. Und ich meine damit nicht nervige Fragen von Verwandten und Bekannten, was Phonetik eigentlich ist. Letztere Frage ist n\u00e4mlich relativ leicht zu beantworten, erstere nicht. Und die Frage nach den Berufsaussichten f\u00fcr Phonetiker kam eigentlich auch gar nicht so sehr von fachfremden Studierenden oder Berufst\u00e4tigen, sondern in den allermeisten F\u00e4llen von Studieninteressierten. Da diese Frage nun immer und immer wieder auftaucht, habe ich beschlossen, hier einmal eine Antwort zusammenzutragen.<\/p>\n<h3>Was ist Phonetik und wo studiert man das?<\/h3>\n<p>Die Phonetik, so sage ich immer, wenn ich von einem Laien gefragt werde, ist die Wissenschaft vom Sprechen. Das ist nun nicht ganz falsch, aber auch sicherlich nicht ganz richtig und zudem eine sehr grober Vereinfachung. Eine Vereinfachung ist es vor allem deswegen, weil sich die Phonetik nicht nur mit dem Vorgang des Sprechens, sondern z.B. auch mit der Perzeption, also der Wahrnehmung gesprochener Sprache befasst. Womit sich die Phonetik genau besch\u00e4ftigt, l\u00e4sst sich schnell und illustrativ am sogenannten \u201asignalphonetischen Band\u2018 erkl\u00e4ren:<\/p>\n<figure id=\"attachment_426\" aria-describedby=\"caption-attachment-426\" style=\"width: 1345px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/signalphonetisches.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-426 size-full\" src=\"http:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/signalphonetisches.png\" alt=\"Signalphonetisches Band\" width=\"1345\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/signalphonetisches.png 1345w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/signalphonetisches-300x47.png 300w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/signalphonetisches-1024x162.png 1024w, https:\/\/www.sprach-blog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/signalphonetisches-800x127.png 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1345px) 100vw, 1345px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-426\" class=\"wp-caption-text\">Das signalphonetische Band (vereinfacht nach Pompino-Marschall 2009)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dargestellt sind die Stationen, die ein Sprachsignal beim Sprechen durchl\u00e4uft. Auf der linken Seite beginnt das signalphonetische Band mit dem Zentralnervensystem (ZNS) eines Sprechers, der zun\u00e4chst plant, etwas zu sagen. Zuerst wird der Sprechprozess geplant, dann werden Signale an die Muskeln gegeben, die Artikulation zu starten. Wir nehmen aber nicht oder nur teilweise wahr, welche Bewegungen ein Gespr\u00e4chspartner genau ausf\u00fchrt, sondern Sprachschall, der ein akustisches Ph\u00e4nomen darstellt. Die Schallwellen treffen auf unsere H\u00f6rorgane, werden dort dekodiert und in mechanische Reize umgewadelt. Bei der Wahrnehmung von Sprache bei einem H\u00f6rer spielen nun wieder neuronale Prozesse im Gehirn bzw. im Zentralnervensystem eine Rolle. Die Phonetik besch\u00e4ftigt sich nun mit allen diesen Stationen, d.h. sie ist eine Wissenschaft, die neurologische, biologische (inkl. anatomische), akustisch-physikalische und psychoakustische Komponenten besitzt. Au\u00dferdem gibt es einen immer schneller wachsenden Bereich, der sich mit der Erzeugung und der Verarbeitung gesprochener Sprache mittels Computertechnologien besch\u00e4ftigt (daher ist es auch sinnvoll, sich w\u00e4hrend des Studiums Programmier- und Statistikkenntnisse anzueignen).<\/p>\n<p>Ein reines Phonetikstudium ist ist Deutschland an mehreren Universit\u00e4ten m\u00f6glich, jedoch nicht so h\u00e4ufig anzutreffen, wie z.B. Linguistik (und das, obwohl die Phonetik insitutionell \u00e4lter ist als die Sprachwissenschaft). Angeboten wird das Fach z.B. an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t, an der Universit\u00e4t Trier, an der Universit\u00e4t K\u00f6ln (zusammen mit Sprachwissenschaft) oder in Bonn.<\/p>\n<h3>Was macht man mit Phonetik?<\/h3>\n<p>Die Frage, welchen Beruf ein Phonetiker einmal ergreift ist nicht ganz leicht zu beantworten. Insgesamt lassen sich drei gro\u00dfe Bereiche identifizieren, in welchen eine Phonetikerin\/ein Phonetiker sp\u00e4ter einmal arbeiten kann: 1. fachfremde Bereiche 2. fachnahe Bereiche und 3. fachbezogene Bereiche. Da man nach jedem Studium in fachfremden Bereichen arbeiten kann, werde ich diese in den nachfolgenden Ausf\u00fchrungen auslassen (z.B. Verlag, Radio, usw.). Zu den fachnahen und den fachbezogenen Bereichen gilt ganz grunds\u00e4tzlich folgende Anmerkung: Es macht Sinn, sich schon fr\u00fch im Studium zu \u00fcberlegen, auf welchen Bereich man sich spezialisieren m\u00f6chte, da es sich bei der Phonetik um eine extrem ausdifferenzierte Wissenschaft\u00a0 handelt und man sich nicht in allen Teilgebieten gleich gut auskennen kann (bei welcher Wissenschaft kann man das schon).<\/p>\n<h4>Die fachbezogenen T\u00e4tigkeiten<\/h4>\n<p>Je nachdem, auf welchen Teilbereich der Phonetik sie sich spezialisiert haben (technisch, akustisch, experimentell, psychologisch, usw.), stehen den Absolventinnen und Absolventen verschiedene M\u00f6glichkeiten offen, wobei es zu bedenken gilt, dass Stellenausschreibungen, die direkt nach Phonetikerinnen und Phonetikern suchen, zwar durchaus zu finden, aber dennoch recht selten sind. Prinzipiell gibt es folgende berufsrelevante Bereiche:<\/p>\n<ul>\n<li>Sprachsynthese<\/li>\n<li>Spracherkennung<\/li>\n<li>Dialogsysteme<\/li>\n<li>klinischer Bereich (Phonetiker sind aber keine Logop\u00e4den)<\/li>\n<li>Sprechtraining (und insgesamt der Bildungs- und Fremdsprachenbereich)<\/li>\n<li>Forschung<\/li>\n<li>forensische Phonetik (einige wenige Stellen beim Bundes- sowie bei den Landeskriminal\u00e4mtern)<\/li>\n<\/ul>\n<p>In keinem dieser Bereich kann man einfach so arbeiten. Man findet nat\u00fcrlich nur einen Job, wenn man sich selbstst\u00e4ndig bereits w\u00e4hrend des Studiums auf einen Teilbereich spezialisiert hat.<\/p>\n<h4>Die fachnahen Bereiche<\/h4>\n<p>Da es sich bei der Phonetik um eine so vielseitige Wissenschaft handelt, gibt es eine Menge an Arbeitsbereichen, die fachnah sind. Wer im Studium eine Programmiersprache gelernt hat, findet vielleicht in der Softwareindustrie einen Job, wer sich intensiv mit Akustik besch\u00e4ftigt hat, kann z.B. in der Automobilindustrie landen oder wer sich mit der Anatomie des Geh\u00f6rs und der Perzeption von Sprachschall auskennt in der H\u00f6rger\u00e4teentwicklung. Prinzipiell sind hier der Phantasie keine Grenzen gesetzt und auch die Praxis zeigt, dass Phonetikerinnen und Phonetiker sp\u00e4ter in zahlreichen und unterschiedlichen Branchen arbeiten.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>Meine pers\u00f6nliche Erfahrung zeigt, dass man in jedem Fall das studieren sollte, was einem Spa\u00df macht. Alle Menschen, die ich kenne, die diesen Rat befolgt haben und im Studium engagiert und selbstst\u00e4ndig gelernt und gearbeitet haben, haben allesamt und unabh\u00e4ngig von ihrer Studienwahl einen interesannten und befriedigenden Job gefunden! Voraussetzung ist nicht, dass man von Anfang an wei\u00df, was man einmal arbeiten m\u00f6chte, sondern Interesse an der Welt und am Fach sowie eine Portion Engagement innerhalb wie au\u00dferhalb der Universit\u00e4t. Allerdings sollte man sich w\u00e4hrend des Studiums immer wieder die Frage stellen, in welchen Bereichen man sich vorstellen k\u00f6nnte, zu arbeiten und nach Teilbereichen zu suchen, auf die man sich spezialisieren m\u00f6chte. Es gibt immer Nischen, aber man muss sie aktiv suchen und f\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Pompino-Marschall, B. (2009): <em>Einf\u00fchrung in die Phonetik<\/em>. Berlin u.a.: Walter de Gruyter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/57ecd2f0bcd842d2afaf6111949111dd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Laufe der letzten Jahre, vor allem nat\u00fcrlich w\u00e4hrend meines Studiums der Phonetik in M\u00fcnchen, ist sie mir immer wieder gestellt worden, die Frage, was<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40,18,11],"tags":[],"class_list":["post-423","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-akustik","category-akustische-phonetik","category-phonetik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=423"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":459,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/423\/revisions\/459"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}