{"id":218,"date":"2013-01-04T09:53:54","date_gmt":"2013-01-04T09:53:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=218"},"modified":"2013-01-22T21:51:57","modified_gmt":"2013-01-22T21:51:57","slug":"okay-okayer-am-okaysten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/?p=218","title":{"rendered":"Okay \u2013 okayer \u2013 am okaysten?"},"content":{"rendered":"<p>Gerade habe ich beim <a href=\"http:\/\/www.kotzendes-einhorn.de\/blog\/2013-01\/du-kannst-dir-deine-eigene-muppets-puppe-machen\/\" target=\"_blank\">Kotzenden Einhorn<\/a> diesen wunderbaren Satz \u00fcber den Preis einer Muppet-Puppe gelesen: \u201eIch finde 100$ ist nen okayer Preis daf\u00fcr.\u201c\u00a0<em>Wie ist der Preis? Okay. Also ein okayer Preis.<\/em> Vielleicht kann man das ja auch steigern? <em>Okay<\/em> \u2013 <em>okayer<\/em> \u2013 <em>am okaysten<\/em>? Ja, das mit den deutschen Adjektiven ist wirklich so eine Sache. Und besonders schwierig wird es, wenn es sich um Fremdw\u00f6rter handelt. Und hier liegt vielleicht auch der Punkt dieses Beitrags. Von Fremdw\u00f6rtern spricht man n\u00e4mlich dann, wenn ein Wort aus einer anderen Sprache zwar benutzt wird, es aber noch nicht an das Deutsche angepasst wird. Angepasst meint hier die Ebene der Lautung, Schreibung und nat\u00fcrlich der Flexion. Ist diese Anpassung geschehen, spricht man von Lehnw\u00f6rtern. So wird gerne empfohlen (und da schlie\u00dfe ich mich gerne an), W\u00f6rter wie <em>Party<\/em> oder <em>Handy<\/em> (ein Wort, das es ja nur im Deutschen gibt) in ihrem Plural auch wie deutsche W\u00f6rter zu behandeln, also <em>Partys<\/em> und <em>Handys<\/em> zu schreiben. Schlie\u00dflich handelt es sich mittlerweile um ganz gel\u00e4ufige W\u00f6rter des Deutschen. Lehnw\u00f6rter eben.<\/p>\n<p>Jetzt aber zu den Adjektiven. Dabei handelt es sich um eine Wortart, die zwischen Determinativ (also dem Artikel) und einem Nomen stehen kann, wie <em>sch\u00f6ne <\/em>in Satz (1). Dabei flektieren die Adjektive, wie im Beispiel ersichtlich. Allerdings k\u00f6nnen Adjektive auch mit Kopulaverben (<em>sein<\/em>, <em>werden<\/em>, <em>bleiben<\/em>) zusammen auftreten, wie in (2) gezeigt. In Beispielsatz (3) ist gezeigt, dass Adjektive zu guter Letzt auch mit Vollverben zusammen auftauchen, man bezeichnet diesen Fall als adverbialen Gebrauch von Adjektiven. In den F\u00e4llen (2) und (3) flektieren die Adjektive nicht. Allerdings mit der Einschr\u00e4nkung, dass sie kompariert werden k\u00f6nnen (<em>Der Mann ist sch\u00f6ner als &#8230;<\/em>)! <em>Okay<\/em>, sie flektieren also doch ein bisschen \ud83d\ude09<\/p>\n<p>(1) Der <strong>sch\u00f6ne<\/strong> Mann.<br \/>\n(2) Der Mann ist <strong>sch\u00f6n<\/strong>.<br \/>\n(3) Natalie tanzt <strong>sch\u00f6n<\/strong>.<\/p>\n<p>Treten Adjektive nun zusammen mit Nomen auf, bezeichnet man das als attributiven Gebrauch, da die Adjektive in diesen F\u00e4llen das Nomen modifizieren. Kommen Adjektive zusammen mit Kopulaverben vor, spricht man von einem pr\u00e4dikativen Gebrauch. Interessanterweise gibt es nun im Deutschen Adjektive, die nur eine dieser beiden M\u00f6glichkeiten zu lassen:<\/p>\n<p>Nur pr\u00e4dikativ: <em>Der Typ ist doch plemplem! <\/em>vs. *<em>Der plemplemige Typ<br \/>\n<\/em>Nur attributiv: <em>Der hiesige Fu\u00dfballverein <\/em>vs. *<em>Der Fu\u00dfballverein ist hiesig<\/em><\/p>\n<p>Das Adjektiv <em>okay<\/em> scheint also zur ersten Gruppe zu geh\u00f6ren, die nur pr\u00e4dikativ gebraucht werden kann, wie in den S\u00e4tzen (4) und (5) angedeutet:<\/p>\n<p>(4) <em>Der Film war okay.<br \/>\n<\/em>(5) *<em>Der okaye Film.<\/em><\/p>\n<p>Gegen die Zuordnung von <em>okay<\/em> zu den Adjektiven spricht \u00fcbrigens, dass man <em>okay <\/em>eigentlich nicht komparieren kann. <em>*<\/em><em>Der Film heute war okayer als der gestern.<\/em> Das klingt \u2013 zumindest in meinen Ohren \u2013 wenigstens etwas schr\u00e4g. Allerdings sollte die Komparierbarkeit doch eine der Voraussetzungen daf\u00fcr sein, ein Wort zur Gruppe der Adjektive zu z\u00e4hlen. Jedoch scheint sich sowohl die Beschr\u00e4nkung auf den nur pr\u00e4dikativen Gebrauch, als auch die nicht m\u00f6gliche Komparation langsam abzuschw\u00e4chen. Googelt man \u201eokayer\u201c, so finden sich zahlreiche Beitr\u00e4ge wie \u201eokayer Preis\u201c, \u201eokayer Film\u201c oder \u201eokayer Zustand\u201c. Auch \u201eokayer als\u201c liefert immerhin etwas \u00fcber 800 Ergebnisse. So richtig eingeb\u00fcrgert scheint sich diese Gebrauchsweise also noch nicht zu haben. Aber es k\u00f6nnte doch ein Hinweis darauf sein, dass sich <em>okay<\/em> immer mehr vom Fremdwort zum Lehnwort entwickelt. Der Duden verzeichnet das Wort immerhin schon 1954. \u00dcbrigens ist das Wort\u00a0<em>okay<\/em> nach Allan Metcalf, der schlie\u00dflich nach Eigenaussage auf seiner Webseite \u201ethe world&#8217;s leading expert on the history and meaning of\u00a0<em>OK<\/em> (or <em>okay<\/em>)\u201c ist, <em>America&#8217;s Greatest Word<\/em> (so der Titel eines seiner B\u00fccher).<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ddb527e3052641d89f1e6636e971cce0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade habe ich beim Kotzenden Einhorn diesen wunderbaren Satz \u00fcber den Preis einer Muppet-Puppe gelesen: \u201eIch finde 100$ ist nen okayer Preis daf\u00fcr.\u201c\u00a0Wie ist der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[49,48,27,42],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=218"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":284,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218\/revisions\/284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sprach-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}