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Warum Kadenzen männlich und weiblich sein können

Okay, das ist jetzt nicht ganz aus der Sprachwissenschaft, sondern eher aus der Verslehre, aber ich habe mich schon lange gefragt, warum es weibliche und männliche Kadenzen gibt bzw. warum die Begriffe „männlich“ und „weiblich“ hier zum Einsatz kommen. Eigentlich hat mich das sogar gestört, weil männliche Kadenzen auch als „stumpf“ bezeichnet werden und weibliche als „klingend“.

Kurz zur Erläuterung: Mit der Kadenz ist der Abschluss eines Verses gemeint. Dieser kann entweder mit einer betonten oder einer unbetonten Silbe enden. Ist die letzte Silbe eines Verses betont, spricht man von weiblicher, ist sie unbetont, von männlicher Kadenz.

Dass man nun auf die Begriffe „männlich“ und „weiblich“ zurückgreift hat aber tatsächlich etwas mit Grammatik zu tun. Im Französischen werden nämlich viele Adjektive in der femininen (‚weiblichen‘) Form um eine Silbe länger als in der maskulinen (‚männlichen‘) Form. So stehen sich z.B. grande und grand oder gros und grosse gegenüber. Und aus dem Französischen stammen angeblich auch die Begrifflichkeiten zur Beschreibung der Kadenz.

Literatur:

Taubert, G. (1997): Kurze deutsche Verslehre. Erding: Herben, S. 17.